Der Lagerumschlag sagt, wie oft sich dein Warenbestand im Jahr komplett dreht. Die Formel: Wareneinsatz eines Jahres geteilt durch den durchschnittlichen Warenbestand, beides zu Einkaufspreisen. Kommt 3 heraus, hast du deinen Bestand dreimal verkauft und dreimal neu aufgebaut - im Schnitt liegt damit jeder Artikel rund vier Monate im Laden.
Die Rechnung
120.000 Euro Wareneinsatz im Jahr, 40.000 Euro durchschnittlicher Bestand. 120.000 ÷ 40.000 = 3,0. Die Lagerdauer ist der Kehrwert in Tagen: 365 ÷ 3 = rund 122 Tage.
Den durchschnittlichen Bestand rechnest du am ehrlichsten aus mehreren Stichtagen - Anfangs- und Endbestand allein verzerren, wenn im Dezember das Weihnachtsgeschäft im Regal steht. Vier Quartalswerte reichen völlig.
- 3,0
- Lagerumschlag im Jahr
- 122 Tage
- durchschnittliche Lagerdauer
- 4
- Stichtage für den Durchschnitt
120.000 € Wareneinsatz, 40.000 € Bestand
365 geteilt durch den Umschlag
je Quartal einer - zwei Werte verzerren zu stark
Was ein guter Wert ist
Es gibt keinen, der über Branchen hinweg trägt. Ein Lebensmittelhändler dreht zweistellig, ein Möbelhaus liegt bei unter zwei, und beides ist richtig. Wer seinen Umschlag mit einer Branchenzahl aus dem Netz vergleicht, vergleicht meist zwei verschiedene Rechenweisen.
Der brauchbare Vergleich ist dein eigener: derselbe Laden, dasselbe Quartal im Vorjahr, dieselbe Formel. Und der zweite brauchbare Vergleich ist innerhalb des Ladens - welche Warengruppe dreht, welche steht.
Warum die Zahl bei kleinen Läden niedrig aussieht
Meist nicht, weil falsch eingekauft wurde. Sondern weil Auswahl auf kleiner Fläche zwangsläufig Tiefe kostet: Wer zwölf Warengruppen zeigen will und wenig Platz hat, führt von jeder wenige Stück - und wenige Stück je Artikel bedeuten kleine Bestellmengen, schlechtere Konditionen und selten den Punkt, an dem sich etwas richtig dreht.
Ein niedriger Umschlag ist deshalb oft ein Symptom der Liquidität, nicht der Einkaufsqualität. Was dahintersteckt, steht in Kapitalbindung im Einzelhandel - und was ein einzelner Fehlgriff wirklich kostet, in Was ein Fehleinkauf wirklich kostet.
Der Sonderfall: Ware, die dir nicht gehört
Steht auf der Fläche Ware, die bis zum Verkauf der Marke gehört, taucht sie in deinem Bestand gar nicht auf. Dein Umschlag verbessert sich - nicht weil du besser einkaufst, sondern weil der Nenner kleiner wird.
Das ist keine Schönrechnerei, solange du es weißt: Die Kennzahl misst dann nur noch dein eigenes Sortiment, während die Fläche mehr zeigt als vorher. Wer beides steuern will, führt zwei Zahlen - Umschlag für die eigene Ware, Umsatz je Meter für die Fläche.
Wareneinsatz eines Jahres geteilt durch den durchschnittlichen Warenbestand, beides zu Einkaufspreisen. Für den Durchschnitt mehrere Stichtage nehmen, nicht nur Anfangs- und Endbestand.
Dieselbe Information, anders herum. Die Lagerdauer sind 365 geteilt durch den Umschlag. Ein Umschlag von 3 entspricht rund 122 Tagen, einer von 6 rund 61.
Mit Einkaufspreisen, in Zähler und Nenner. Wer den Umsatz durch den Bestand zu Einkaufspreisen teilt, bekommt eine größere Zahl, die nichts mehr bedeutet - genau so entstehen die Branchenwerte, die nicht zueinander passen.
Wirtschaftlich nicht, denn sie ist nicht dein Kapital. Sie steht auf deiner Fläche und muss dort mitgesteuert werden, aber in die Umschlagsrechnung deines eigenen Bestands gehört sie nicht.



