Der Viertelladen liegt in Düsseldorf-Unterbilk, zwischen Altbauten und Kneipen, und ist genau das, wonach er aussieht: ein Store fürs Viertel. Kleine Fläche, festes Budget, ein Sortiment aus der Nachbarschaft - Drucke, Karten, Keramik, Kleidung, Killepitsch.
Er ist auch der Store, in dem Spreat angefangen hat. Nicht als Pilotprojekt mit Vertrag und Kickoff, sondern weil jemand ein Problem hatte, für das es noch keine Lösung gab: Ein Store dieser Größe kann nur einkaufen, was er sich leisten kann - und leisten kann er sich wenig.


Jeder Euro in der Ware fehlt auf dem Konto
Die Rechnung eines kleinen Stores ist unbarmherzig. Wer zehn Produzenten führt, hat für diese zehn bezahlt - und wer einen elften aufnehmen will, muss dafür Geld in die Hand nehmen, das er nicht hat. Also bleibt es bei zehn, und die Fläche kann weniger, als sie könnte.
Über Spreat kauft der Store nichts mehr ein. Die Ware gehört den Marken, bis jemand sie an der Kasse mitnimmt; der Store bekommt eine Provision. Aus zehn Produzenten wurden 33 - auf derselben Fläche, mit demselben Konto.
- 10
- Produzenten vorher
- 33
- Produzenten danach
- 0 €
- Wareneinkauf
so viele, wie der Einkauf hergab
auf derselben Fläche
die Ware blieb Eigentum der Marken
Was auf der Fläche steht
Ein Blick in den Sortimentsstand vom Januar 2025: 385 Artikel, 244 verschiedene Produkte, 1.346 Stück im Store. Der mittlere Preis liegt bei 35 Euro - deutlich über dem eines Weihnachtsmarkts, deutlich unter dem einer Galerie. Die Provision liegt meist bei 25 Prozent, bei manchen Marken bei 20.
Interessanter als die Summen ist ihr Verlauf: Zwischen März und Dezember 2024 kam an 41 verschiedenen Tagen neue Ware ins Sortiment. Kein Saisonwechsel, keine Ordertermine - der Store hat übers Jahr nachgelegt, wann immer etwas passte.



Warum das ein Nachbarschafts-Store bleibt
Ein größeres Sortiment macht aus einem Viertelladen nicht automatisch einen Concept Store - und soll es auch nicht. Was dazukommt, kommt aus derselben Stadt: Poster mit dem Dreischeibenhaus, Illustrationen aus dem Viertel, Kleidung von kleinen Labels, Killepitsch.
Genau das ist der Punkt, an dem das Modell für einen Store dieser Größe funktioniert. Er muss nicht raten, was ankommt. Er kann es hinstellen, und wenn es nicht läuft, geht es zurück - ohne dass ein einziger Euro dafür ausgegeben wurde.



„Ihr habt uns den Laden gerettet.“
Der Satz ist von Klaus Mader, und er meint ihn wörtlich. Was hier begann, läuft heute in Elektronikfilialen und in einem Pop-up-Store einer Stadt - aber das Prinzip ist noch dasselbe wie damals in Unterbilk: Der Store ist Marktplatz, nicht Einkäufer.



