Alle vier regeln dasselbe: wie fremde Ware in einen Store kommt. Sie unterscheiden sich in zwei Fragen. Wem gehört die Ware, während sie auf der Fläche steht - und in wessen Namen wird sie verkauft? Aus diesen beiden Antworten folgt alles Weitere: wer Kapital bindet, wer das Risiko trägt und wonach abgerechnet wird.
- Klassischer Einkauf: Ware gehört dem Store, Store verkauft im eigenen Namen, Store zahlt vorab
- Konsignation und Kommission: Ware gehört dem Lieferanten, Store verkauft im eigenen Namen, Store zahlt nach dem Verkauf
- Shop-in-Shop: Ware gehört der Marke, die Marke verkauft selbst, der Store bekommt Miete
- Stationärer Marktplatz: Ware gehört der Marke, der Store vermittelt den Verkauf, der Store bekommt Provision
Konsignation und Kommission
Die Ware liegt beim Händler und gehört bis zum Verkauf dem Lieferanten. Verkauft wird im Namen des Händlers, wirtschaftlich aber für Rechnung des Lieferanten - so definiert es § 383 HGB für das Kommissionsgeschäft.
Der Vorteil ist offensichtlich: kein Einkauf, kein gebundenes Kapital, kein Abschriftenrisiko. Der Preis dafür ist Verwaltung. Je Lieferant braucht es eine Vereinbarung, eine getrennte Bestandsführung und eine regelmäßige Abrechnung. Bei zwei Lieferanten ist das eine Tabelle, bei zwanzig ein Teilzeitjob.
Shop-in-Shop
Eine abgegrenzte Fläche im Store, auf der eine Marke ihren eigenen Auftritt hat - eigene Möbel, oft eigenes Personal, manchmal eine eigene Kasse. Klassisch mietet die Marke diese Fläche und zahlt unabhängig davon, ob etwas verkauft wird.
Für den Store ist das die sicherste Variante: Die Miete kommt, egal wie der Monat läuft. Sie ist zugleich die unflexibelste. Ein Shop-in-Shop rechnet sich erst ab einer gewissen Größe, hat eine Laufzeit, und für kleine Marken ist er zu teuer. Wer sein Sortiment mit fünf Marken erweitern will, kann das so nicht tun.
Stationärer Marktplatz
Das Modell überträgt die Logik eines Online-Marktplatzes auf die Fläche. Die Ware gehört der Marke, der Store stellt die Fläche und vermittelt den Verkauf. Die Kundin nimmt das Produkt, zahlt an der gewohnten Kasse und bekommt ihren Bon - rechtlich kauft sie in diesem Moment direkt bei der Marke.
Der Unterschied zur Kommission steckt genau hier: Der Store verkauft nicht im eigenen Namen. Damit entsteht für diese Ware kein eigener Ein- und Verkauf in seinen Büchern, sondern eine Provisionsabrechnung. Und weil die über das Kassensystem läuft, wächst der Aufwand nicht mit jeder zusätzlichen Marke - das ist der Punkt, an dem aus zwei Lieferanten dreiunddreißig werden können.
Wonach du auswählst
Wenn du eine große, feste Fläche an eine starke Marke vergeben willst und planbare Einnahmen brauchst: Shop-in-Shop. Wenn du wenige Lieferanten hast, die du ohnehin einzeln betreust, und keine Software einführen willst: Kommission. Wenn du dein Sortiment breit erweitern willst, ohne dass die Verwaltung mitwächst: Marktplatzmodell.
Und wenn du gerade gar kein Kapital binden kannst, aber Auswahl brauchst, dann geht es bei allen drei um dieselbe Frage - nur die Antwort auf die Verwaltung fällt verschieden aus.
Im Sprachgebrauch keiner. Konsignation betont den Lagerort beim Abnehmer, Kommission das Rechtsverhältnis nach § 383 HGB. Im Einzelhandel meint beides: Die Ware liegt beim Händler und gehört ihm noch nicht.
Nein. Bei der Kommission verkauft der Händler im eigenen Namen für fremde Rechnung. Beim Marktplatzmodell vermittelt er nur - gekauft wird direkt bei der Marke. Für die Kundschaft sieht beides gleich aus, für die Buchhaltung des Stores nicht.
Die Marke zahlt Miete an den Store, unabhängig vom Umsatz. Beim Marktplatzmodell ist es umgekehrt: Es wird aus dem Umsatz bezahlt, nicht aus der Miete - fällt der Umsatz aus, fällt auch die Zahlung aus.
Alle drei binden für den Store kein Warenkapital, weil er nichts einkauft. Der Unterschied liegt im laufenden Aufwand: Shop-in-Shop kostet Fläche und Laufzeit, Kommission kostet Verwaltung je Lieferant, das Marktplatzmodell kostet die Einrichtung des Systems.



